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Miriam Keilbach

Miriam Keilbach arbeitet als  Redakteurin beim RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) im Autor*innen-Team und bloggt auf „Nordkap nach Südkap“ über ihre Reiseleidenschaft.

Ich habe ein Herz für Subsahara-Afrika, weil …
… die Länder so vielfältig sind und so viele Chancen bieten. Der Kontinent ist herausfordernd, einzigartig und unheimlich bereichernd. Es gibt Tausende verschiedene Kulturen, noch mehr offene Menschen, berührende Begegnungen, die schönsten Strände (Nosy Iranja, Madagaskar), ein einzigartiges Wildlife, absurde Landschaften (Dallol, Äthiopien), viele junge Menschen mit innovativen Ideen, Städte mit einem tollen Nightlife (Accra, Ghana) oder besonderen Museen (Nairobi, Kenia). Der Arm-Reich-Kontrast, eine teilweise Perspektivlosigkeit, die Unruhen, das konservative, fundamentalistische Christentum (vielerorts) fordern mich und bringen mich an meine Grenzen. Und doch bereichert mich jede Reise, es gibt immer Neues kennenzulernen und der Kontinent schafft es oft, dass ich mich gleichzeitig winzig klein und doch Teil eines Großen fühle.

Das Beste am Reisen ist, …
… neue Perspektiven kennenzulernen, neue Orte zu sehen, neuen Menschen zu begegnen und Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben. Reisen ist Zeit für die Seele und ein Stück Therapie – denn beim Reisen wird man eben auch herausgefordert, an Grenzen gebracht, ist auf sich allein gestellt und lernt doch, Selbstbewusstsein zu haben und Entscheidungen zu treffen.

Ich arbeite gerne als Journalistin, weil …
… ich mit geschriebenen Wörtern etwas vermitteln kann und Menschen berühren, mitnehmen, aufklären, unterhalten kann. Im besten Fall verändere ich sogar etwas.

Das Beste an meiner Arbeit ist …
… die Abwechslung und Vielfalt. Ich habe mit den verschiedensten Menschen zu tun, den verschiedensten Szenarien und Umfeldern, und lerne jeden Tag etwas Neues dazu.

Ich habe diesen Beruf ergriffen, weil …
… ich immer eine Vorliebe dafür hatte, mich schriftlich auszudrücken und gerne „die Welt erklärt“ habe.

Mein typischer Arbeitsalltag …  
… sieht jeden Tag anders aus. Oft bin ich im Newsroom in Hannover, recherchiere im Internet, führe Gespräche und schreibe meine Texte auf. Als Reporterin bin ich aber auch oft unterwegs, beobachte, spreche mit Menschen, nehme Eindrücke auf, besuche Veranstaltungen. Gerade war ich mit einem Stipendium vom „Internationalen Journalisten-Programm“ (IJP) zwei Monate in Ostafrika – und kein Tag glich dem anderen. Ich war bei Klimaflüchtlingen in Äthiopien, habe an der äthiopisch-eritreischen Grenze mit Polizeischutz unter freiem Sternenhimmel geschlafen, habe in Kenias Hochland deutsche Marathon-Profis und aufstrebende kenianische Athlet*innen besucht, war im ersten Frauendorf Afrikas in Nordkenia, war im elendigsten Flüchtlingslager der EU auf Mayotte und habe gelernt, was Ökotourismus auf den Komoren ausmacht. In welchem Beruf bekommt man solch eine Abwechslung sonst geboten?

Ich denke immer noch gerne an …
… die besonderen Momente und Recherchen zurück. Momente wie in meiner Zeit als Reporterin bei der Frankfurter Rundschau (FR). 2012 begleitete ich eine junge krebskranke Frau. Ihre positive Lebenseinstellung und Art hat mich so berührt, dass ich anfing, mir selbst eine Lebensliste zu erstellen, mit Dingen, die ich noch tun möchte. Nach ihrem Tod haben Freund*innen von ihr die Liste für sie erfüllt und ich durfte auch einen Punkt beitragen: Baden unterm Wasserfall. Besondere Recherchen waren etwa ein IJP-Stipendium, mit dem ich 2014 zwei Monate in Norwegen und auf Spitzbergen zum Klimawandel und in Oslo zu den Lebensborn-Kindern (norwegische Mutter, deutscher SA/SS-Soldat als Vater) recherchiert habe. 2017 konnte ich für die FR im damals größten Flüchtlingslager der Welt in Dadaab im Nordosten Kenias einige Tage verbringen (mit sechs Soldaten an meiner Seite). Und aktuell denke ich noch viel an die aufregenden Monate in Ostafrika mit IJP in diesem Mai bis Juli.

Wer in meinem Branche arbeiten möchte, sollte …
… Durchhaltevermögen und jede Menge Neugierde mitbringen.

Ich engagiere mich für …
… einen differenzierten Blick auf Subsahara-Afrika mit seinen 49 Ländern, weg vom reinen Krisen-Kriege-Krankheiten-Image hin zu den vielfältigen Möglichkeiten und Chancen. Außerdem liegen mir die Themen Anti-Rassismus, Tierschutz und soziale Gerechtigkeit am Herzen.

In meiner Freizeit …
… findet man mich entweder auf Reisen (bevorzugt in Skandinavien oder Subsahara-Afrika), im Fußballstadion bei Spielen von Werder Bremen oder in einer Handballhalle – wenn ich nicht zu Hause für meinen Reiseblog  „Nordkap nach Südkap“ schreibe, mich um meine beiden Kaninchen kümmere oder stricke.

Ich möchte Kolleg*innen unbedingt empfehlen, …
… das Buch „The Challenge for Africa“ von der kenianischen Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai zu lesen, um mehr Verständnis für den Kontinent zu bekommen. Ist auch als E-Book in Deutschland erhältlich.

Interview: Lisa Stegner