Martin Reckweg
Martin Reckweg engagiert sich nach einem erfolgreichen Berufsleben bei der Initiative „Journalismus macht Schule“, die er gemeinsam mit seiner früheren Kollegin Karin Abenhausen in Niedersachsen auf den Weg gebracht hat. Der heute 68-Jährige war viele Jahre in leitender Funktion beim NDR in Hannover tätig und zwischenzeitlich Chefredakteur bei Radio Bremen.
Medienbildung ist wichtig, weil …
… wir Medienleute es früher kaum für nötig hielten, unsere Arbeit zu erklären. Jetzt ist höchste Eisenbahn dafür.
Das Beste an Hannover ist, …
… dass es trotz kalter Dinge (das Wetter, manchmal die Leute) so viele lichte und warme Momente aufscheinen lässt (Menschen, Kultur, Natur).
Ich habe gerne als Reporter und Redakteur gearbeitet, weil …
… für mich das Verhältnis stimmte: verlässliche und seriöse Infos und Stories liefern, im Gegenzug das Vertrauen des Publikums bekommen.
Das Beste an meiner Arbeit war …
… nicht immer, was am Ende rauskam; viel mehr war es die Möglichkeit, bekannte und nicht so bekannte Menschen zu treffen, ihre Geschichten und Sicht der Dinge zu erfahren. Und die Verantwortung, sorgfältig damit umzugehen.
Ich habe diesen Beruf ergriffen, weil …
… ich das Gefühl hatte, es könnte passen.
In meinem typischen Alltag …
… lese ich morgens drei E-Paper und einige Newsletter; dann ist Zeit für Kaffeepause. Manchmal bereite ich mich auf Treffen mit Schulklassen oder Studierenden vor, bitte sie vorab, sich Fragen zu überlegen, stelle Material zu Fake und KI zusammen.
Ich wusste, dass ich in diesem Beruf genau richtig bin, als …
… ich schon am zweiten Tag im Volontariat (bei der Ostfriesen-Zeitung) das Gefühl hatte: es passt wirklich. Das Gefühl ist geblieben, das war mein Glück.
Ich denke immer noch gerne an …
… mein Radio-Interview mit Michael Gorbatschow zurück, das 1996 in Hannover durch eine Reihe überaus glücklicher Zufälle zustande kam. Ein tolles Gespräch mit ihm – das nie gesendet wurde: Das eigentlich unkaputtbare Mikrofon am Aufnahmegerät war defekt.
Mein Lieblingsmedium ist …
… alles, was gemächlich läuft: Arte mit neuen Serien, Nano-Talk mit Alena Buyx und Stephanie Rohde auf 3sat als Welterklärerinnen; FAZ und Handelsblatt zu KI.
Ich möchte beruflich noch erleben, …
… dass unsere Demokratie stabil bleibt und sich dafür viele junge journalistische Mitstreiter*innen finden.
Wer in meiner Branche arbeiten möchte, sollte …
… Journalismus zunächst als Handwerk verstehen – recherchieren, verstehen, einordnen, verständlich sein; gute Geschichten erzählen, in Text, Ton und Bild. Das mit der Haltung kommt später.
Mitglied in einem Berufsverband zu sein ist wichtig, weil …
… es hilft, Teil einer großen starken Community zu sein; weil es gut ist, dafür einen monatlichen Obolus zu zahlen.
Ich engagiere mich für …
… Medienbildung, reise dafür zu Schulen in Niedersachsen, nach Borkum und Stade, nach Winsen und Einbeck und erlebe eindrucksvoll, wie schwer es die jungen Menschen haben, sich angesichts der Informationsüberflutung zurecht zu finden. Und wie fern sie unseren klassischen Medien sind.
Ich möchte Kolleg*innen unbedingt empfehlen, …
… den Kunst-Podcast „Augen zu“ von Florian Illies und Giovanni di Lorenzo sowie den KI-Podcast von Gregor Schmalzried (ARD-Sounds) zu hören.
Interview: Lisa Stegner
Foto: Privat