Florian Petrow

 Wenn der Terminkalender plötzlich leer und am Samstag frei ist
 

Florian Petrow / Foto: Franziska HaltAn einem ganz normalen Arbeitstag fährt Florian Petrow morgens zum Training von Hannover 96 und fotografiert die Fußballprofis beim Schwitzen, Dribbeln und Laufen. „Danach setze ich mich auf dem Parkplatz ins Auto und bearbeite zwischen 30 und 40 Bilder, die ich dann direkt an die Redaktion schicke“, sagt der 40-Jährige.
 
Anschließend läuft er manchmal rüber in die Swiss Life Hall, wo parallel das Training der Handball-Profis stattfindet, um einen Recken-Spieler für ein Interview abzulichten. Um 15.30 Uhr steht auch schon die zweite Trainingseinheit bei den „Roten“ an. Und abends findet eventuell noch ein Nachholspiel der Amateure von Arminia Hannover statt, das Florian ebenfalls fotografisch begleitet.
 
Doch seit Mitte März 2020 sind alle öffentlichen Veranstaltungen abgesagt; einige Sportligen ruhen, andere wurden bereits vorzeitig beendet. „Ich bin das erste Mal seit zehn Jahren an einem Samstag um 14.30 Uhr zuhause, das ist schon extrem seltsam“, erzählt der Fotograf, dem innerhalb von einer Woche fast alle Termine weggebrochen sind.
 
Aufgewachsen in Dannenberg, beginnt Florian Petrow bereits als Jugendlicher für die Elbe-Jeetzel-Zeitung zu schreiben und zu fotografieren. Nach dem Abitur studiert er in Göttingen Sport und Pädagogik und lernt dort seinen heutigen Kollegen Lars Kaletta kennen, der ihn für die Sportfotografie begeistert. Während des Studiums arbeitet er unter anderem für den Göttinger Sport Dienst und die Hessisch Niedersächsische Allgemeine (HNA). 2007 macht er sein Hobby zum Beruf und ist seitdem in Hannover als freier Fotograf für Tageszeitungen tätig – unter anderem für die Neue Presse und die 2017 gegründete Madsack Sport Unit.
 
Nun muss er sich aufgrund der Corona-Krise beruflich ein bisschen neu erfinden. Petrow geht die Situation offensiv an, sucht selbst nach Aufträgen, kontaktiert sein Netzwerk und bildet sich in der Zwischenzeit theoretisch weiter. Sein Antrag auf Soforthilfe, den er vor über vier Wochen eingereicht hat, wurde noch nicht bearbeitet. Nun gibt es durch die Lockerungen der strengen Corona-Reglungen neue Hoffnung auf ein bisschen Normalität.
 
Bei einem Geister-Pferderennen auf der Neuen Bult hat Petrow bereits fotografiert. Ab dem 17. Mai sollte auch bei Hannover 96 der Ball wieder rollen - doch Dresden musste absagen, weil in der Mannschaft zwei Spieler positiv auf Covid-19 getestet worden sind. Dennoch macht der baldige Neustart der Bundesliga etwas Mut. „Ich hoffe, dass ich bei Geisterspielen fotografieren kann – auch wenn ich‘s persönlich doof finde, ist es beruflich enorm wichtig für mich“, sagt der Fotograf, der vor 17 Jahren dem DJV beigetreten ist – wegen des Presseausweises, aber auch aufgrund journalistischer Anliegen.
 
„Für mich stellt es gerade eine große Erleichterung dar, dass ich einen so starken Verband an meiner Seite habe“, sagt Florian Petrow. Die DJV-Landesgeschäftsstelle berät etwa bei Anträgen zur Corona-Soforthilfe und setzt sich für die Belange der Fotograf*innen bei DFL-Spielen ein. Von anderen Verbänden, bei denen er ebenfalls Mitglied sei, habe er dagegen noch gar keine Hilfe bekommen. „Man muss schauen, wie man sich selbst aus dieser schwierigen Situation herausarbeitet“, sagt Petrow. Da tue es gut, wenn einem Menschen zur Seite stünden. Das gelte auch für die Kolleg*innen vor Ort: „Wir sind Teamplayer hier in Hannover. Wir halten zusammen, damit wir alle gemeinsam aus dieser Krise wieder herauskommen!“
 
Text: Lisa Stegner
 
Foto: Franziska Halt