Benjamin Piel

In den Journalismus fand Benjamin Piel durch ein Schülerbetriebspraktikum beim Iserlohner Wochenkurier. „Dieses Anzeigenblatt hat deshalb eine große Rolle in meinem Leben gespielt, weil ich mich dort ausleben konnte“, erzählt Piel, der im benachbarten Ort Hemer aufwuchs und im Anschluss an das Praktikum als einziger freier Mitarbeiter von dort berichtete. „Journalismus fasziniert mich, weil es ein so vielfältiger Beruf ist, in dem man seiner Kreativität freien Lauf lassen kann und in dem man immer wieder neue Leute und neue Themengebiete kennenlernt, von denen man vorher nie gehört hat“, erzählt der 33-Jährige, der schon viel herumgekommen ist in Deutschland.

Nach dem Abitur im Sauerland studierte Piel Neuere deutsche Literatur, Neuere Geschichte und Vergleichende Religionswissenschaft in Tübingen und volontierte im Anschluss bei der Schweriner Volkszeitung. 2012 wechselte er als Redakteur ins niedersächsische Wendland zur  Elbe-Jeetzel-Zeitung, die er seit 2015 gemeinsam mit Jens Feuerriegel leitet. „Wichtig im Journalismus ist nicht nur, dass man gut schreibt, sondern, dass man in der Lage ist, Geschichten zu entdecken und zu erkennen, mit welchem Fokus man sie am besten erzählt“, sagt Piel, der 2014 für seine Reportage „Bettys erstes Mal“ – eine Geschichte über einen Sexualbegleiter für behinderte Menschen – mit dem Theodor-Wolff-Preis und dem Reportagepreis für junge Journalisten ausgezeichnet wurde.

Zum DJV kam Piel zu Beginn seines Volontariats. „Ich finde es wichtig, sich als Journalist zu organisieren und eine starke Stimme gegenüber Verlegern und strukturellen Veränderungen gerade in krisenhaften Situationen zu haben“, sagt der 33-Jährige. Zugleich sollten sich Gewerkschaften aber auch nicht pauschal jeglichen Veränderungsprozessen widersetzen.

Neben seiner Tätigkeit als Redaktionsleiter schreibt der dreifache Familienvater unregelmäßig als Autor unter anderem für „Die Zeit“ und „Spiegel Online“. Zeit für Hobbys bleibt da nicht übrig: „Ich nehme es allerdings auch nicht als schlimm wahr, wenn ich abends am Schreibtisch sitze und schreibe, wenn die Kinder im Bett sind.“

Beim Mindener Tageblatt möchte er sich künftig als Chefredakteur darauf konzentrieren, den lokalen und regionalen Anteil noch weiter ausbauen: „Wenn wir überleben wollen, müssen wir das Lokale stärken, indem wir persönlich in die direkte Umgebung gehen und darüber berichten, was dort passiert.“

Text: Lisa Stegner / Foto: privat