Deutscher Journalisten-Verband Landesverband Niedersachsen
Nächtliche Einsätze lohnen sich für Foto-Reporter ökonomisch häufig nicht mehr

Das Thema ist Ergebnis des radikalen Wandels in der Medienwelt und einer immer besser werdenden Professionalisierung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei den Feuerwehren. War früher die Kommunikation von staatlichen Stellen zu Einwohnern auf die klassischen Medien wie Print, Hörfunk, TV und damit auf die journalistische Aufbereitung angewiesen, so nutzen heute Kommunen, Feuerwehren und andere staatliche Einrichtungen selbstverständlich Social Media Kanäle, um sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. 

Dem gleichen Zweck dient auch die professionelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Feuerwehren. Bedingt durch den Spardruck bei den Verlagen gibt es kaum noch festangestellte Fotografen. Die Fotos werden häufig von Redakteuren gemacht, die ebenfalls durch billigere freie Mitarbeiter ersetzt werden. In einem Flächenland wie Niedersachsen führt dies mancherorts dazu, dass bei nächtlichen Einsätzen, kein Reporter oder freier Fotograf mehr die Anfahrt auf sich nimmt, da sie sich ökonomisch nicht mehr lohnen. Das ist aus gewerkschaftlicher Sicht zu kritisieren, aber geändert hat sich angesichts sinkender Auflagenzahlen dennoch nichts. 

Damit dennoch eine Berichterstattung stattfinden kann, bieten Feuerwehrpressesprecher Redaktionen bei Bedarf Bildmaterial kostenfrei an. Sie kommen damit ihrer Öffentlichkeitsarbeit nach und dokumentieren ihre Arbeit. Gerade freiwillige Feuerwehren sind auf Akzeptanz und Unterstützung ihrer Arbeit angewiesen um dringend benötigte Nachwuchskräfte anzuwerben. In Grömitz wurden 2019 14 junge Männer zum Zwangsdienst in der Feuerwehr verpflichtet, um die Einsatzfähigkeit sicherzustellen. Auch in List auf Sylt gibt es schon Zwangsmitglieder und weitere Kommunen können folgen. 

Ganz anders zu sehen ist ein Fall, über den der DJV Newsletter und auch das NDR-Medienmagazin Zapp berichteten. Der freie Bildjournalist Dominik Bartl klagt gegen die Feuerwehr München. Sie sendet jährlich bis zu 372 Fotos von Einsätzen an Agenturen und Medien und lässt sich für den einmaligen Abdruck ein Bildhonorar von 25 Euro überweisen.

Wenn aus der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eine wirtschaftliche Tätigkeit am ohnehin schon umkämpften Markt wird, dann hat dies mit den Kernaufgaben einer Feuerwehr nichts mehr zu tun. In Niedersachsen gibt es dazu im § 136 NKomVG die Vorgabe, dass sich Kommunen nur dann wirtschaftlich betätigen dürfen, wenn der öffentliche Zweck nicht besser und wirtschaftlicher durch einen privaten Dritten erfüllt wird oder erfüllt werden kann.

Blaulicht-Themen interessieren Leser und sind daher für die Verlage nicht nur für ihre Printausgaben, sondern auch für das zunehmende Online-Geschäft attraktiv. Wenn sich die Feuerwehren daran halten, den Journalisten vor Ort Ihre Aufgabe zu erleichtern und nur bei Bedarf kostenloses Bildmaterial zur Verfügung stellen, sollte es in Zukunft keinen Konflikt mehr zwischen Fotografen und Feuerwehrpressesprechern geben.

Beim DJV-Verbandstag im vergangenen Jahr hatte sich der langjährige Fachausschussvorsitzende Andreas Listing schon im Thema Extra verabschiedet. Doch es kam anders. Zusammen mit dem Landesvorstand und der Geschäftsführerin hatte Listing versucht eine Kollegin oder einen Kollegen zu finden, der den Fachausschuss Presse- und Öffentlichkeitsarbeit übernimmt: leider ohne Erfolg und so machte er erst einmal weiter.  

AL
 


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