Deutscher Journalisten-Verband Landesverband Niedersachsen

News aus Niedersachsen

Zukunft des Lokaljournalismus

"Lasst die jungen Leute doch einfach mal machen!"

22.04.2021

Der frühere Chefredakteur der Nordwest-Zeitung, Lars Reckermann, sprach bei der Mitgliederversammlung des DJV-Bezirks Elbe-Weser-Ems.

Lars Reckermann / Foto:privat

Einen Lars Reckermann braucht in Zukunft niemand mehr. Das sagt Lars Reckermann selbst. Der Chefredakteur der „Schwäbischen Post“ will Volontären kein Vorbild sein: „Man darf junge Leute nicht zu einem Redakteur wie mich machen. Dann haben wir sie zwar zum Redakteur ausgebildet, nur nicht zu einem, den man in Zukunft braucht.“ Was aber braucht man in der Zukunft? Reckermann skizzierte seine Vorstellungen bei der Jahreshauptversammlung des DJV-Bezirksverbands Elbe-Weser-Ems.

 

Dazu ist der 50-Jährige per Videoschalte an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt: zur Nordwest-Zeitung in Oldenburg. Deren Redaktion führte er von 2016 bis 2019, bevor er für ein halbes Jahr die Leitung der Abteilung „Forschung und Entwicklung“ bei der Ostfriesen-Zeitung in Leer übernahm. Vor Ort in Oldenburg, im Tagungsraum der NWZ, sitzt nur der Vorstand des DJV-Bezirksverbands. Die anderen Teilnehmer, auch Lars Reckermann, sind digital zugeschaltet.

 

Einen „Befürworter des Lokaljournalismus“, so nennt DJV-Bezirksvorsitzender Torsten Wewer den Gast aus Schwaben. Bei der NWZ hat er neue Formate eingeführt – und sich damit nicht nur Freunde gemacht, dass weiß Reckermann selbst. Mit seinen Forderungen nimmt er Journalisten und Redaktionen in die Pflicht – und Geschäftsführer und Verleger gleich mit. Beispiele?

 

•    „Ja, mit ,TikTok‘ verdienen wir kein Geld. Aber wenn wir jetzt nicht anfangen, uns an dieser Zielgruppe zu orientieren, dann haben wir echt verloren.“

•    „Infotainment ist, was die jungen Leute wollen.“

•    „Journalisten müssen ihre Text promoten“ – damit sie über die Zeitungsabonnenten hinaus Menschen erreichen.

•    „Nur dadurch, dass wir als Journalisten eine Marke werden, ein Gesicht werden, werden wir unersetzbar.“

•    „Als Journalisten ordnen wir Themen ein. Aber sind wir überhaupt noch auf den Kanälen, wo wir jemanden finden, der etwas einordnen lassen will?“

 

„Die Rolle des Journalismus verändert sich“, sagt Reckermann. Keine Frage. Was aber tun? Muss künftig jede Redakteurin, jeder Redakteur alles können? Von Tageszeitung bis TikTok? Lars Reckermann fordert von jedem Beweglichkeit, setzt aber vor allem auf den journalistischen Nachwuchs. Die Redaktionen müssten so umgebaut werden, dass die einzelnen Mitglieder jeweils das machen können, was sie am besten können. „Und sie müssen die jungen Leute machen lassen!“, fordert der 50-Jährige.

 

Reckermann rät, einfach mal anzufangen – und macht es vor. Seine Ankunft bei der „Schwäbischen Post“ hat er für YouTube gefilmt. Und jüngst ist sein Podcast „Ein Glas mit Lars“  gestartet. Dramaturgisch und technisch ist beides ausbaufähig. Aber der Anfang ist gemacht.

 

Mehr zur Mitgliederversammlung des DJV-Bezirks Elbe-Weser-Ems am 17. April 2021

 

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