Journalisten informierten in Aurich über ZGO-Kündigungen
Kein Verständnis für Verleger
Pressemitteilung des DJV-Bezirksverbandes Elbe-Weser-Ems:
Ostfriesland/Aurich. „Das ist ja wohl unverschämt“, empörte sich eine ältere Frau beim Besuch des Standes von DJV und Verdi am Sonnabend in der Auricher Fußgängerzone: „Erst gestern habe ich einen Brief erhalten, dass das OZ-Abo seit Januar 70 Cent mehr pro Monat kostet und jetzt will man bei der Redaktion sparen – ich kaufe die Zeitung doch wegen der Berichte und nicht wegen der Anzeigen.“ So reagierten gerade viele ältere Zeitungsleserinnen und -leser, die durch die Gewerkschaftsaktion erstmals von den Sparplänen der ZGO-Unternehmensleitung erfuhren. Rund 20 Journalisten vor allem aus den Redaktionen der Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO) verteilten während der zweistündigen Aktion mehrere hundert Flugblätter und kamen mit den Besuchern in der Fußgängerzone ins Gespräch.
Hartmut Kern, Vorsitzender des Bezirksverbandes Elbe-Weser-Ems im Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), wertete den Protest seiner Kolleginnen und Kollegen als „vollen Erfolg“. Die Leserinnen und Leser der betroffenen Zeitungen könnten durch ihre offene Kritik an der Verlagspolitik den „Kahlschlag in den Redaktionen“ verhindern, ist Kern überzeugt. Nach den derzeitigen Plänen sollen insgesamt 17 Mitarbeiter der Ostfriesen-Zeitung (Leer) und des General-Anzeigers (Rhauderfehn) ihre Arbeitsplätze verlieren, die meisten davon sind Redakteure. „Leider veröffentlichen diese Zeitungen aber nur die Position der Geschäftsleitung, nicht aber die des Betriebsrates oder der Gewerkschaften“, bedauerte der DJV-Bezirksverbandsvorsitzende.
Die Geschäftsleitung der Zeitungsgruppe Ostfriesland begründe den geplanten Personalabbau zwar mit Kostensteigerungen und Einnahmeausfällen im Anzeigengeschäft. Dabei steht der Verlag auf gesunden Füßen: in den Jahren 2005 bis 2010 wurden insgesamt 15,3 Millionen Euro an Gewinnen und Pacht an die Verleger ausgezahlt. „Es ist ja nicht so, dass es den Zeitungen wirtschaftlich schlecht geht“, so Kern. Das Gegenteil sei erfreulicherweise der Fall. „Hier geht es offensichtlich um eine Erhöhung der Gewinne für die Anteilseigner.“
Schon Anfang des Jahres war der Chef vom Dienst der Ostfriesen-Zeitung mit sofortiger Wirkung freigestellt worden. Den Leitern der OZ-Bezirksredaktionen in Emden, Aurich und Leer soll gekündigt werden. Zudem will die Geschäftsleitung die Redaktion in Norden komplett schließen. Hiervon sind drei Redakteure betroffen. Deren Arbeit soll von freien Mitarbeitern übernommen werden. Ferner soll die Redaktionstechnik im Stammhaus in Leer-Logabirum aufgegeben und diese Tätigkeit fremd vergeben werden. Allein hier verlieren weitere vier langjährige Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze. Auch im Redaktionssekretariat sollen Stellen abgebaut werden.
Schon im Jahr 2003 hatte die ZGO mehr als 70 Mitarbeitern gekündigt. 2009 gab es eine weitere Kündigungswelle. Gespräche über die geplanten Entlassungen wurden vom Betriebsrat abgebrochen, zumal von der neuerlichen Kündigungswelle fast ausschließlich ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen sein sollen. Jetzt droht die Geschäftsleitung nach Angaben der Gewerkschaften mit „noch härteren Schritten“.
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